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Stadtwerke erhöhen Preise für Energie

(vom 16.11.2018)

Die Stadtwerke Pirmasens erhöhen zum 1. Januar 2019 die Preise für Strom und Erdgas. Es macht uns keine Freude, Preiserhöhungen anzukündigen, jedoch kommen wir aufgrund der enormen Preissteigerungen auf den Energiemärkten nicht umhin, dies tun zu müssen, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Dörr. Als kleinen Trost gibt er mit auf den Weg: Wir geben nicht die kompletten Preissteigerungen an unsere Kunden weiter und die neuen Preise gelten dann aber garantiert das komplette Jahr 2019, so Dörr weiter. Wie es nach 2019 aussieht, dazu möchte Dörr aktuell keine Angaben machen: Nur so viel: Der Markt ist unberechenbar. Wohin die Reise gehen wird, wird sich erst noch zeigen müssen, gerade auch im Hinblick auf die Preissprünge beim Emissionsrechtehandel und den Primärenergieträgern wie z.B. Kohle und Öl.

Die Großhandelspreise für Strom sind dieses Jahr besonders stark gestiegen (um rund 40 Prozent). Eine Tendenz dazu war bereits seit 2017 zu beobachten. Seitdem haben die Stadtwerke diese Erhöhungen für die Kunden auffangen können, sodass die Preise für die Verbraucher konstant blieben. Der Grundpreis hat sich bei Strom seit fünf Jahren nicht mehr erhöht und bleiben auch 2019 konstant. Dass sich der Arbeitspreis bei Strom verteuert, liegt an den gestiegenen Kosten der Stromerzeugung, denn die Beschaffungskosten für Kohle und Gas sind gestiegen. Zudem wirken sich die höheren Preise für die sogenannten Verschmutzungsrechte auf die Großhandelspreise von Strom aus.

Eine ähnliche Tendenz ist bei den Erdgaspreisen erkennbar. Zwei Jahre bleiben die Gaspreise bei den Stadtwerken unverändert. Davor gab es sogar in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Preissenkungen für die Verbraucher. Auch hier sind die Grundpreise seit fünf Jahren unverändert und bleiben auch 2019 konstant. Der Preisverlauf an der Börse zeigt jedoch seit 2018 sprunghaft ansteigende Bezugspreise für Erdgas. Die Steigerung beläuft sich an der Börse EEX auf rund 20 Prozent.

Obwohl nicht mehr offiziell an den Ölpreis gebunden, reagiert der Gaspreis stark auf andere Energiemarktpreise. Senken die OPEC Staaten zum Beispiel ihre Fördermengen, wird Öl knapp und damit teurer.

Strom und Gas verteuern sich unterschiedlich

Der Strompreis steigt über alle Tarife im Arbeitspreis um 1,31 Cent pro Kilowattstunde brutto. Der Erdgaspreis steigt über alle Tarife im Arbeitspreis um 0,54 Cent pro Kilowattstunde brutto.

Für Kunden in den Sonderverträgen SWPS Privat (Strom) und SWPS Erdgas bedeutet dies insgesamt jährliche Mehrkosten (bei Jahresverbräuchen Strom von 3.500 sowie Erdgas von 20.000 Kilowattstunden) in Höhe von knapp 154 Euro.

Preisbeispiele anhand des Jahresverbrauchs eines typischen Einfamilienhauses:

Strompreise in Ihrer Entwicklung (Basis: typisches Einfamilienhaus, 4 Personen)

Verbrauch von 3.500 kWh/a 01.01.2016 01.01.2017 01.01.2018 01.01.2019
Grundpreis in €/a 114,00 114,00 114,00 114,00
Arbeitspreis in Cent/kWh 26,88 26,88 26,88 28,19
Gesamtkosten/Jahr
(inkl. MwSt.)
1.054,80 €    1.054,80 €    1.054,80 €     1.100,65 €

 

Erdgaspreise in Ihrer Entwicklung (Basis: typisches Einfamilienhaus)

Verbrauch von 20.000 kWh/a 01.01.2016 01.01.2017 01.01.2018 01.01.2019
Grundpreis in €/a 144,00 144,00 144,00 144,00
Arbeitspreis in Cent/kWh 6,01 5,53 5,53 6,07
Gesamtkosten/Jahr
(inkl. MwSt.)
   1.346,00 € 1.250,00 € 1.250,00 € 1.358,00 €

 

„Alle Versorger, die zum Jahreswechsel ihre Preise erhöhen, stehen im Gegensatz zu denjenigen, die derzeit mit stabilen Preisen über den Jahreswechsel hinaus werben, in der Kritik, doch in vielen Fällen erhöhen diese Versorger dann zeitversetzt zum 1. Februar, 1. März , 1 April oder 1. Juli. Aufgeschoben bedeutet also noch lange nicht aufgehoben“, gibt Johannes Kreuter, Bereichsleiter Vertrieb und Marketing bei den Stadtwerken Pirmasens zu bedenken.

Er erklärt weiterhin: „Einspareffekte werden auch oft durch Verbraucherverhalten konterkariert, z.B.: Je energieeffizienter die Geräte, desto mehr oder größere werden angeschafft Praxis: TV-Altgerät: 42 Zoll wird durch ein TV-Neugerät: 55 Zoll ersetzt. Damit wird der Einspareffekt  aufgefressen, da ein 55 Zoll-TV (A +++) zwar durchaus effizient sein kann, unterm Strich jedoch wesentlich mehr verbraucht als ein 42 Zoll TV (A+++). TV, Audio und Büro sind mit 25,6 Prozent mit weitem Abstand den größten Stromverbraucher im privaten Haushalt.

Stadtwerke sind keine Billiganbieter, haben jedoch ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis

Um zu günstigsten Konditionen einkaufen zu können, müssten täglich je Kunde 96 Werte im Vorfeld prognostiziert und entsprechend eingekauft werden. Im Jahr wären dies 35.040 Börseneinkäufe zu unterschiedlichen Preisen. Bei 28.270 Stromkunden beispielweise müssten 990,6 Millionen Stromkäufe im Jahr getätigt werden, um die günstigen Börsenstrompreise zu erhalten. Die Stadtwerke haben den Auftrag, die Versorgungssicherheit der Bürgerinnen und Bürger über den „billigsten Preis“ zu setzen. Aus diesem Grund können Stadtwerke nicht am Energiepreisdumping teilnehmen. „Im Gegenzug gibt es bei Stadtwerke keine Lockvogelangebote und auch keine Preisfallen. Denn ist bei den billigen Angeboten der Bonus erst einmal weg und der Anbieterwechsel wurde versäumt, kann es sehr teuer werden. Viel teurer als das, was der Kunde im gleichen Zeitraum bei seinem Stadtwerk bezahlt hätte“, sagt Johannes Kreuter. Die Erfahrung zeigt, dass jedes Jahr eine Vielzahl an Kunden zu den Stadtwerken Pirmasens zurückkehren, weil sie feststellen mussten, dass sie bei einem anderen Versorger nach Ablauf des Bonusjahres wesentlich teurer fuhren und unterm Strich kräftig draufzahlen mussten.

Hintergrund: Strompreisbestandteile

Vom Vertrieb beeinflussbare Preisbestandteile sind die Beschaffungs- und Vertriebspreisanteile. Bei den vom Vertrieb nicht beeinflussbare Preisbestandteile handelt es sich um die Netzkosten des Netzbetreibers sowie die gesetzliche Abgaben und Steuern. Hierzu gehören:

  • Förderung Erneuerbarer Energien (EEG)
  • Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG)
  • § 19- Umlage
  • Offshore-Umlage
  • AbLaV- Umlage
  • Stromsteuer (Ökosteuer)
  • Mehrwertsteuer

Die gesetzlichen Abgaben und Steuern ändern sich im Vergleich zum Jahr 2018 wie folgt:

Die Absenkung der gesetzlichen Umlagen ist marginal.

Diese nicht beeinflussbaren Strompreisbestandteile machen mit rund 80 Prozent noch immer den Löwenanteil des Gesamtstrompreises aus. Es ergibt sich folgendes Gesamtbild: Minimal gesenkten staatlichen Preisbestandteile und Netzentgelte stehen stark gestiegene Beschaffungskosten an der Börse gegenüber. Diese Differenz ist zu groß und belastend, als dass sie alleine von den Stadtwerken aufgefangen werden könnte. Deshalb wird ein Teil der Preissteigerung an die Verbraucher weitergegeben.

Anders als beim Strom ist bei Erdgas der Anteil der Steuern und Abgaben mit rund 25 Prozent etwas geringer. Der Anteil der Kosten für Gaseinkauf, Import und Netznutzung zur Verteilung des Erdgases liegt dagegen bei rund 75 Prozent.

Die neuen Preisblätter finden Sie im Downloadbereich.

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